Dr. Felix Wittern
September 2026
„Fotografie überwindet sprachliche und kulturelle Grenzen und ist unmittelbar zugänglich."
Partner bei Fieldfisher
Bei Fieldfisher gibt es schon länger Kunst in den Räumen. Wie kam es dazu?
Wir hatten das neue Büro einzurichten und wollten mit einem kuratierten Kunstkonzept dafür sorgen, an allen Arbeitsplätzen relevante Kunst und Künstler zugänglich zu machen.
Der künstlerische Fokus liegt auf Fotokunst. Warum Fotokunst?
Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal passiert in der Fotografie viel, und es gibt sowohl nationale als auch international großartige Künstler. Fotografie ist eine der internationalsten Kunstformen überhaupt, sie überwindet sprachliche und kulturelle Grenzen und ist für Mandanten und Mitarbeitende unmittelbar zugänglich. Als Kanzlei mit einem starken Technologie-Fokus interessiert uns auch die Verbindung technischer Präzision mit künstlerischer Kreativität. Darüber hinaus ist einer der Hamburger Partner Sammler zeitgenössischer Kunst und hat gern Werke aus seiner Sammlung hinzugefügt; dies hat es ermöglicht in nahezu allen Räumen Kunst zu hängen. Die ausgewählte Fotografie soll keine klassische Repräsentationskunst sein, sondern einen eigenen Akzent setzen. Last but not least ist Fotografie bereits renommierter Künstler oft kostengünstiger zu erwerben als andere Formen der Kunst.
Was gibt es speziell in Hamburg zu sehen?
Werke von über 20 Künstlern, unter anderem Daido Moriyama, Todd Hido, Greg Girard, Sally Mann, Daisuke Yokota, Jem Southam, Roger Eberhard, Fischli Weiss, Jacob Aue Sobol, Matteo di Giovanni oder Lukas Hoffmann.
Da sich die künstlerischen Themen (Megacities, Urbanisierung, Natur, neue Technologien) auch auf die Beratungsschwerpunkte Ihrer Kanzlei beziehen: Welche andere oder zusätzliche Perspektive bringt die Kunst hier ein?
Viele unserer Mandanten beschäftigen sich mit Digitalisierung, Daten, Künstlicher Intelligenz oder technologischer Transformation. Die juristische Beratung konzentriert sich dabei auf Governance, Compliance und Risikomanagement. Die Kunst richtet den Blick dagegen auf die gesellschaftliche Dimension dieser Entwicklungen: Wie verändert Technologie Städte, Arbeitswelten und zwischenmenschliche Beziehungen? Die Kunst ist hier gleichzeitig an die Menschen gerichtet, die täglich in den Räumen arbeiten. Die Kunstsammlung kann Räume schaffen und neue Blickwinkel eröffnen.
Gibt es Rückmeldungen zur Kunst in Ihren Räumen von Mandanten oder Mitarbeitenden?
Ja. Unsere Erfahrung ist, dass die Kunst sowohl von Mandanten als auch von Mitarbeitenden weniger als Dekoration wahrgenommen wird, sondern als Teil der Atmosphäre und Kultur des Büros. Die Kunst hat viel Aufmerksamkeit erzeugt und regt teilweise intensive Gespräche an.
Gibt es spezielle Formate für die Kunstvermittlung, die Sie für Mitarbeitende anbieten?
Wir haben einige der ausgestellten Künstler bei uns im Haus gehabt und auch schon Führungen für die Mitarbeiter und auch für Mandanten durchgeführt.
Inwieweit nehmen Sie sich persönlich Zeit für Kunst und Kultur? Kaufen Sie privat Kunst?
Ja, ich habe eine größere Fotobuch-Sammlung, insbesondere mit japanischen und amerikanischen Fotobüchern. Darüber hinaus sammle ich seit Jahren auch Fotografie und habe mittlerweile auch hierzu eine größere Sammlung, die unter anderem ungefähr die Hälfte der bei uns gehängten Werke ausmacht.
Welcher Künstler bzw. welche Künstlerin oder welches Kunstwerk inspiriert Sie persönlich ganz besonders, und warum?
Bei den ausgestellten Werken gefällt mir besonders das Bild aus Ulaanbaatar von Jacob Aue Sobol. Es stammt aus der Serie Arrivals and Departures, in der er eine Reise entlang der Transsibirischen Eisenbahn fotografierte. Zunächst zeigt es fußballspielende Kinder, allerdings an einem besonderen Ort, der staubigen Peripherie von Ulaanbaatar. Es hat darüber hinaus ein tolles Licht und erinnert mich persönlich damit in Aufbau und Dynamik an Bilder von Hieronymus Bosch. Gleichzeitig spendet es Hoffnung, da auch in einer unwirtlichen Umgebung die Lebensfreude dominiert. Dabei wirkt das Bild archetypisch und zeitlos; es zeigt Freiheit, Gemeinschaft und Spiel und wird bei längerem Betrachten immer besser.
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