Magazin>
Clemens Vatter

„Kunst soll zum Nachdenken anregen, nicht nur gefallen.“

September 2026

Clemens Vatter

Vorstand der SIGNAL IDUNA Gruppe

Clemens Vatter, Vorstand der SIGNAL IDUNA Gruppe, spricht im add art Interview über das kuratierte Kunstkonzept der neuen Hauptverwaltung in Hamburg am Kapstadtring, über die Partnerschaft mit dem UBS Digital Art Museum, und über seine Vorliebe für Impressionisten. Bei add art öffnen Hamburger Unternehmen ihre Räume und zeigen Kunst. SIGNAL IDUNA ist 2026 zum ersten Mal dabei.

SIGNAL IDUNA ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei add art dabei. Was gab den Impuls dazu, und welche Erwartungen verknüpfen Sie damit?

Der entscheidende Impuls kam tatsächlich aus den eigenen Reihen: Ein Mitarbeiter hat uns mit seiner Begeisterung für das Format der add art angesteckt. Uns hat sofort die Idee überzeugt, Kunst nicht nur im Museum, sondern direkt bei uns im Unternehmen erlebbar zu machen. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, unsere neue Hauptverwaltung in der City Nord mit kreativer Energie zu füllen und gleichzeitig jungen Talenten eine Plattform zu bieten. Wir möchten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch unseren Gästen, neue Perspektiven eröffnen und das Büro als einen Ort der Inspiration und des Austauschs zu gestalten.

Inwieweit gab es in der Vergangenheit schon Berührungspunkte mit Kunst am Standort Hamburg?

Antwort: An unseren deutschlandweiten Standorten finden sich seit jeher Kunstwerke, die das Arbeitsumfeld bereichern. Mit dem Bezug zu unserer neuen Hauptverwaltung am Kapstadtring haben wir diesen Aspekt jedoch auf eine neue Ebene gehoben. Hier verfolgen wir ein kuratiertes Gesamtkonzept, bei dem Kunst nicht nur dekorativ, sondern auch funktional ist – beispielsweise zur Verbesserung der Akustik. Die Teilnahme an der add art ist für uns daher ein weiterer Schritt, unser Engagement für Kunst und Kultur sichtbar zu machen und aktiv in den Dialog mit der Hamburger Kunstszene zu treten.

Sie werden dieses Jahr Werke von zwei Künstlerinnen der HAW Hamburg zeigen. Warum haben Sie sich für junge Kunst entschieden?

Antwort: Wir haben uns bewusst für die Zusammenarbeit mit jungen Künstlerinnen entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass gerade aufstrebende Talente oft die spannendsten und frischesten Impulse setzen. Die Portfolios von Lea Ritters und Barbara Eßer haben uns sofort fasziniert. Bei Lea Ritters hat uns die tiefe Naturverbundenheit und der klare Bezug zu norddeutschen Landschaften begeistert. Barbara Eßers Ansatz, Bilder ergebnisoffen und intuitiv aus dem Fluss von Wasser und Farbe entstehen zu lassen, erinnert uns an den kreativen und zugleich strukturierten Prozess, den eine exzellente Kundenberatung ausmacht. In beiden Künstlerinnen sehen wir eine enorme schöpferische Kraft, der wir gerne einen Raum geben.

Worin liegt der besondere Reiz oder auch das Potenzial von Kunst am Arbeitsplatz, wo liegen möglicherweise auch Herausforderungen?

Der größte Reiz liegt darin, dass Kunst den Alltag durchbricht. Sie schafft Gesprächsanlässe, regt zur Reflexion an und kann die Atmosphäre eines Raumes fundamental verändern. Ein Arbeitsplatz ist mehr als nur ein Schreibtisch; er ist ein Lebensraum. Kunst macht ihn menschlicher und inspirierender. Natürlich kann Kunst auch polarisieren – und das ist gut so. Eine Herausforderung liegt darin, eine Auswahl zu treffen, die zum Unternehmen passt, aber gleichzeitig genügend Reibungsfläche für eine anregende Auseinandersetzung bietet. Kunst soll zum Nachdenken anregen, nicht nur gefallen.

Im Januar 2027 soll das UBS Digital Art Museum in Hamburg eröffnen, die SIGNAL IDUNA ist einer der Partner des Museums. Was hat Sie an dieser Partnerschaft gereizt?

An dieser Partnerschaft reizt uns vor allem die enorme Innovationskraft. Das UBS Digital Art Museum wird nicht nur für Hamburg, sondern für ganz Europa ein kulturelles Wahrzeichen sein. Als Versicherungsgruppe, die sich intensiv mit der digitalen Transformation beschäftigt, sehen wir eine klare Parallele zwischen der Zukunft der Kunst und der Zukunft unserer eigenen Branche. Digitale Kunst ist ein hochdynamisches Feld, das neue Erzählformen und Erlebnisse schafft. Wir sind stolz darauf, als Partner ein Projekt zu unterstützen, das Hamburg als führenden Standort für digitale Avantgarde positioniert und Kunst auf eine Weise zugänglich macht, die zukunftsweisender nicht sein könnte.

Inwieweit nehmen Sie sich persönlich hin und wieder Zeit für Kunst und Kultur? Kaufen Sie auch privat Kunst?

Um ehrlich zu sein: Im Alltag ist Zeit ein rares Gut, und Museumsbesuche schaffen es nicht so oft in den Kalender, wie ich es mir wünschen würde. Aber im Urlaub oder bei Städtetrips am Wochenende nehme ich mir sehr gerne bewusst Zeit für Museen und Galerien. Das ist für mich ein wunderbarer Weg, um den Kopf komplett freizubekommen. Privat kaufe ich Kunst rein nach Bauchgefühl. Ich bin kein Sammler, der nach Künstlernamen oder Wertsteigerung geht. Wenn mir ein Bild spontan gefällt, mich anspricht und zu unserem Zuhause passt, dann nehme ich es mit.

Welcher Künstler oder welches Kunstwerk inspiriert Sie persönlich ganz besonders, und warum?

Ich mag die Bilder der Impressionisten, wie zum Beispiel von Claude Monet. Das Schöne an dieser Kunstrichtung ist für mich ein ganz praktischer Effekt: Wenn man ganz nah vor dem Bild steht, sieht man oft nur wilde Farbtupfer und erkennt eigentlich gar nichts. Erst wenn man ein paar Schritte zurücktritt, setzt sich das Bild im Kopf zusammen und man erkennt das Motiv. Das ist für mich eine tolle Parallele zum Berufsleben: Man darf sich nicht im Detail verlieren, sondern muss immer wieder einen Schritt zurücktreten, um das große Ganze zu sehen.

Weitere Beiträge aus unserem Magazin

Newsletter

Melden Sie sich für den add art Newsletter an und erhalten Sie regelmäßig Informationen zu unseren Veranstaltungen!

Cookie-Einstellungen

Bitte wählen Sie aus, welchen Cookie-Kategorien Sie zustimmen möchten.