„Das Betrachten eines Kunstwerks ist wie ein kurzer Druck auf die Pausentaste im Arbeitsalltag.“
September 2026
Theresia Langosz-Römbell
Manager Organization Development, CSR & Communications
Ihr macht mit Luxcara erstmals bei add art mit. Welche Erwartungen verknüpft Ihr damit?
Theresia: Wir legen bei Luxcara viel Wert auf unsere Unternehmenskultur und lassen uns die verschiedensten Team-Events einfallen. Am meisten freuen wir uns, wenn Vorschläge aus dem Team kommen – so auch in diesem Fall, da Robin mich auf add art aufmerksam gemacht hat. Wir hatten bereits musikalische Veranstaltungen, Kunst jedoch noch nie. Wir sind also sehr gespannt und erhoffen uns, dass die ausgestellte Kunst Gespräche, Meinungsaustausch und Diskussionen zwischen den Kolleginnen und Kollegen anstoßen wird.
Ihr zeigt Werke von zwei HAW-Studierenden. Wovon habt Ihr Euch bei der Auswahl leiten lassen, warum junge Kunst?
Theresia: Wir haben die Werke in einem Team von vier Personen ausgesucht. Das oben genannte Ziel haben wir vier bereits bei der Auswahl erreicht: Unsere Diskussionen passten in ihrer Intensität hervorragend zu den hochsommerlichen Temperaturen. Es gab so viele weitere Werke von Studierenden, die (manche von) uns angesprochen haben – die Qual der Wahl!
Übergeordnet: Worin liegt der besondere Reiz oder auch das Potenzial von Kunst am Arbeitsplatz, wo liegen möglicherweise auch Herausforderungen?
Marcel: Kunst am Arbeitsplatz schafft Begegnungsräume und regt den Austausch an – unter Kolleginnen und Kollegen ebenso wie mit Gästen unseres Hauses. Sie hilft dabei, vertraute Themen einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Gerade weil Kunst keine eindeutigen Antworten liefern muss, entstehen oft die spannendsten Gespräche. Für uns liegt darin die Chance, neue Impulse mitzunehmen und den Blick über das eigene Fachgebiet hinaus zu öffnen.
Gibt es in Eurem persönlichen beruflichen Alltag Momente, in denen der Blick auf ein Kunstwerk weiterhelfen kann / könnte?
Robin: Ja, vor allem zwischen schwierigen Calls und Verhandlungen. Ein Kunstwerk im Büro ist eine Einladung zum Durchatmen. Ein Moment, in dem nichts entschieden werden muss. Und es eröffnet Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, die im Arbeitsalltag sonst nie stattfinden würden: über Wahrnehmung, Geschmack, Gefühle. Bei Kunst gibt es keine richtige Antwort, und das ist erfrischend.
Das Tätigkeitsfeld von Luxcara ist die Finanzierung der Energiewende, es geht also um Transformation. Kann hier eine künstlerische Perspektive, wo es häufig auch um den Umgang mit Neuem oder Ungewissem geht, weiterhelfen?
Theresia: Transformation bedeutet auch immer Unsicherheit. Das Betrachten eines Kunstwerks ist wie ein kurzer Druck auf die Pausentaste im Arbeitsalltag. Gerade in solch stillen Momenten fallen uns oft neue Lösungswege oder Ideen ein. Kunst hinterfragt das Bestehende und eröffnet uns neue Perspektiven. Und genau das brauchen wir für das Vorantreiben der Energiewende.
Inwieweit nehmt Ihr Euch persönlich hin und wieder Zeit für Kunst und Kultur? Kauft Ihr privat Kunst?
Marina: Als Malerin interessiere ich mich sehr für Kunst und bin regelmäßig auf verschiedenen Kunstveranstaltungen, nicht nur in Hamburg, sondern auch in Madrid und Barcelona. Wann immer es möglich ist, kaufe ich gerne Kunstwerke für meine eigene Sammlung.
Theresia: Ich habe zwei Nachwuchskünstler zu Hause und unsere „Sammlung“ entwickelt sich gerade von sehr abstrakter Kunst zu gegenständlichen Zeichnungen. Wir sind eine musikalische Familie und nutzen gern kulturelle Angebote wie Konzerte und Theater. Museen müssen momentan noch Möglichkeiten zum Anfassen bieten, damit alle abgeholt werden.
Welcher Künstler bzw. welche Künstlerin oder welches Kunstwerk inspiriert Euch persönlich ganz besonders, und warum?
Marcel: Ich habe viele Jahre in der Nähe des Potsdamer Barberini-Museums gelebt und bin mehrmals im Jahr in die neue Ausstellung gegangen – nur um wie zigfach zuvor von der Lichtstimmung der Getreideschober von Claude Monet in der Dauerausstellung in den Bann gezogen zu werden.
Robin: In meiner Wohnung hängt ein Gemälde meines Bruders Vincent Corrèze (27). Nach einem BWL-Studium hat er sich für eine Karriere als Künstler entschieden. Das inspiriert mich nicht nur, weil er mein Bruder ist, sondern auch, weil er sich die Maltechnik ohne akademische Kunstausbildung selbst beigebracht hat und den Zeitgeist in seinen Werken treffend einfängt. Er lässt sich besonders von Künstlern wie Egon Schiele und Jean-Michel Basquiat inspirieren, vor allem aber von den Ikonen, die unsere Epoche prägen: Literatur, Film, soziale Medien und so weiter.
Marina: Ich bin ein großer Fan von Portraits und habe einige Repliken von bekannten Künstlern, z. B. von Tamara de Lempicka. Ich liebe ihre Bilder, weil sie so elegant und besonders sind, sie sind vom Kubismus beeinflusst und zeigen den typischen Stil des Art Déco. Außerdem male ich auch selbst gerne. Ich habe einige Pop-Art-Bilder, die ich mit Acryl- und Ölfarbe male.
Theresia: Mein Kunstwerk hängt in einem Bahnhof. Ich habe zehn Jahre lang in der Deutschschweiz gelebt und bin unzählige Male schnellen Schrittes durch die Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs geeilt – und jedes Mal hing dort „L’Ange protecteur“ von Niki de Saint Phalle über allem: elf Meter groß, knallbunt, völlig unerwartet zwischen Anzeigetafeln und Gleisdurchsagen. Genau deshalb funktioniert „d blaui Ängu“. Ein Schutzengel an einem Ort, an dem alle nur unterwegs sind und niemand stehen bleibt – und man bleibt dann eben doch kurz stehen. Zumindest innerlich.
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